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Kampf dem Stimmungstief
05.11.2018

Kampf dem Stimmungstief

Fühlen Sie sich matt, lustlos und niedergeschlagen? Dann sollten Sie den Ratschlag von Experten befolgen: Tun Sie sich etwas Gutes.

Kaum ziehen im Herbst die ersten Nebelschwaden übers Land, sind Zeitungen und Zeitschriften wieder voller guter Ratschläge gegen den «Winterblues», die «Trübsal im November» und die «Herbstdepression». Es gibt viele Namen für den Zustand, wenn das Gemüt schwer ist und düstere Gedanken im Kopf herumkreisen. Betroffene fühlen sich traurig, schlapp und kraftlos. Die Symptome beginnen im Herbst und verschwinden im Frühling.
 

Kürzere Tage sind schuld

Als Grund für das Tief im Winter gilt ein Mangel an Tageslicht. Die Sonne scheint in der kalten Jahreszeit morgens später und geht abends früher unter. Arbeitstätige sehen sie oft den ganzen Tag nicht, weil sie sich drinnen aufhalten. Das Lichtdefizit bringt bei manchen Menschen die innere Uhr aus dem Takt. Licht und Dunkelheit steuern die Produktion des Schlafhormons Melatonin und des Botenstoffs Serotonin. Dieser beeinflusst das Gefühlsleben. Im Volksmund ist Serotonin bekannt unter dem Begriff «Glückshormon». Im Winter zirkuliert tagsüber mehr Melatonin und weniger Serotonin im Körper. Betroffene, die auf die kürzeren Tage empfindlich reagieren, fühlen sich deshalb dauermüde und würden sich am liebsten in den Winterschlaf verabschieden. Genau so, wie es viele Tiere tun.
 

Produktionsdruck wie bei Hühnern

Doch der Mensch muss funktionieren, entgegen seines natürlichen Rhythmus'. Wie Legehennen. Werden die Tage kürzer, schlafen sie länger – und legen weniger Eier. Kunstlicht in den Hühnerställen hält die Eierproduktion aufrecht. Mit der Folge, dass die Hühner nach rund einem Jahr ausgelaugt sind und nicht mehr rentieren. Darüber muss Hansjörg Znoj, Psychologe an der Universität Bern, zwar lachen. Doch den Vergleich hält er für so falsch nicht: «Auch Menschen brauchen Zeit, um sich nach hektischen Phasen zu regenerieren.» Stattdessen sei man gezwungen, den Winter künstlich zu überwinden. Znoj: «Wer länger als zwei Monate an niedergedrückter Stimmung leidet, sollte zum Arzt.» Denn in wenigen Fällen kann sich aus einem «Winterblues» eine behandlungsbedürftige Winterdepression entwickeln, in der Fachsprache SAD genannt. Die Übergänge sind fliessend.
 

Erhöhtes Schlafbedürfnis

Schwere Depressionen zeichnen sich aus durch ein düsteres Selbstbild mit tiefer Niedergeschlagenheit bis hin zu völliger Verzweiflung mit Suizidgedanken. Für Betroffene ist das Leben grundsätzlich nicht mehr lebenswert. Sie sind freudlos, leiden unter Schlaflosigkeit, sie grübeln, haben keinen Appetit und sind in ständiger Angst. Diejenigen mit einer Winterdepression haben ähnliche Stimmungsveränderungen, nur die Begleitsymptome sind umgekehrt: Ihr Schlafbedürfnis ist grösser. Sie schlafen zwar länger, «aber es ist kein erholsamer Schlaf», sagt Hansjörg Znoj. Typisch seien auch Heisshungerattacken mit Lust auf Süssigkeiten. «Weil sie sich lieber zuhause einigeln und weniger bewegen als sonst, legen sie unweigerlich Fettpolster an.» Auch das ist nicht gerade stimmungsfördernd. Die Diagnose Winterdepression erstellt und behandelt der Arzt.
 

Lichttherapie ist hilfreich

Die gute Nachricht ist, dass sich sowohl die saisonale Winterdepression als auch der «Winterblues» mit einfachen Mitteln bekämpfen lassen: Starkes Licht von speziellen Therapielampen hebt die Stimmung in den meisten Fällen oft rasch. Das zeigen inzwischen mehrere Studien. Für Fachleute wie Anna Wirz-Justice vom Zentrum für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel ist «Licht die Therapie der Wahl». Die Beleuchtungsstärke der Lampen soll zwischen 7000 und 10'000 Lux betragen. Zum Vergleich: An einem hellen Sommertag scheint die Sonne mit 100'000 Lux. Bei bedecktem Himmel im Winter sind es immer noch 3500, während die Lichtstärke in Büroräumen und Wohnzimmern zwischen 50 und maximal 500 Lux beträgt. «Die Lichttherapie ist besonders wirksam, wenn sich Patienten täglich 30 bis 60 Minuten vor die Lampe setzen», so Wirz-Justice. Der Vorteil: Die Therapie lässt sich problemlos zu Hause durchführen. Es empfiehlt sich aber, zuvor den Hausarzt aufzusuchen. Denn bei manchen Augenkrankheiten ist Vorsicht geboten. Ebenso können Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auftreten. Es ist nicht unbedingt nötig, sich gleich selber eine Therapielampe zu kaufen. In vielen Drogerien kann man sie auch mieten.
 

Täglich an die frische Luft

Noch besser als künstliches Licht ist allerdings viel Bewegung an der frischen Luft. «Zwingen Sie sich, jeden Tag und bei jedem Wetter hinaus zu gehen», sagt der Berner Psychologe Znoj. Das wirke sogar vorbeugend. Auch mit einer guten Schlafhygiene ist viel zu erreichen. Nutzen Sie das Bett wirklich nur zum Schlafen. Essen und lesen Sie nicht darin. Genauso wie die Fröhlichkeit gehört es auch zum Leben, hin und wieder schlecht gelaunt zu sein. Gerade in der hektischen Zeit vor Weihnachten «dürfen Sie sich ruhig mal der Melancholie hingeben», sagt Hansjörg Znoj. Sein Ratschlag: «Gönnen Sie sich ganz bewusst etwas, das Ihnen gut tut.»
 

Kräutertee, ätherische Öle und mehr

Mit folgendem können sich Menschen etwas Gutes tun: Um gegen den «Winterblues» anzugehen wird eine Teemischung aus Kräutern, die die Nerven stärken, die Organe unterstützen und die Stimmung heben, empfohlen. Dazu gehören Johanniskraut, Minze, Haferstroh, Melisse, Lavendel und Silbermänteli. Gemäss der Erfahrung leiden mehr Frauen als Männer unter Stimmungstiefs im Winter. Für diese wird der Teemischung zusätzlich Ginsengwurzel hinzugefügt. Bewährt hat sich auch die Aromatherapie mit ätherischen Ölen. Als Duft erlebt man den Wirkstoff der Pflanzen ganz anders als etwa beim Tee. Über das Sinnesorgan Nase erfährt man die Einzigartigkeit der Kräuter. Als Stimmungsaufheller der ersten Wahl gelten die ätherischen Öle von Zitrusfrüchten: Bergamotte, Grapefruit, Orange, Neroli und Petit Grain. Für die Kleinen wird Mandarine empfohlen. Diesen Duft mögen alle Kinder. Lavendel wirkt entspannend und Weihrauch vermittlelt ein Gefühl der Geborgenheit.
 

Duft im Lämpchen oder Bad

Die ätherischen Öle kann man auf verschiedene Arten einsetzen. Als Raumduft in Duftämpchen oder elektrischen Aromaverneblern. Diese Geräte haben den Vorteil, dass die ätherischen Öle nicht erhitzt werden und dadurch der Duft unverändert bleibt. Erhältlich sind die Öle auch als Spray. Noch intensiver lassen sich Düfte als Bad erleben. Dann wirken sie auch über die Haut. Fertige Duftbäder stehen in Fachgeschäften im Angebot. Man kann sie aber auch selber machen. Man kann einige Tropfen ätherisches Öl in einen Esslöffel voll Rahm oder Kaffeerahm geben und das Gemisch ins warme Badewasser giessen. Der Rahm fungiert als natürlicher Emulgator. Ohne ihn würde das Öl nur auf der Wasseroberfläche schwimmen. Die Haut könnte es nicht aufnehmen.
 

Spagyrik und Schüssler Salze

In Fachgeschäften werden Menschen beraten, deren Stimmungsschwankungen die verschiedensten Ursachen haben. Im Gespräch wird herausgefunden, wo der Schuh drückt. Besonders Geplagten wird gerne eine Mischung aus Spagyrischen Essenzen mit Johanniskraut, Taigawurzel, Melisse, Schöllkraut, Kava - Kava , Hafer und Bärlapp zusammengestellt. Diese unterstützt die Leberfunktion, stärkt die Nerven und hebt die Stimmung. Auch die Verdauung wird mit einbezogen. Wenn man Bauchweh hat, ist auch die Laune schlecht. Wem Verstopfung und Durchfall die Freude am Essen und die Stimmung vergällen, dem kann womöglich eine Darmsanierung Linderung verschaffen. Schüssler-Salze gehören ebenfalls zum Repertoire. Wer sich im Winter besonders schlapp fühlt, dem wird eine sogenannte Biochemische Energieschaukel empfohlen. Sie besteht aus den Salzen Nr. 2, 5 und 7. Einzunehmen in dieser Reihenfolge am Morgen, Mittag und Abend. Die 2 stärkt den Aufbau, die 5 fördert die Durchhalteenergie und die Verdauung und die Nr. 7 hilft abends zu regenerieren und zu entspannen. Je 3 Tabletten vor dem Essen im Mund zergehen lassen.
 

Zeit für sich gibt Energie

Wem im Winter die düsteren Tage aufs Gemüt drücken, ist es wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen. Nichts zu tun hilft am wenigsten. Wer sich kraftlos fühlt, soll trotzdem aktiv sein. Wenn einem die Energie abhanden gekommen ist, kann man auch gemeinsam mit anderen etwas tun. Singen kann Wunder bewirken.  
 

© vitagate.ch

 

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