Anmelden

Sie sind hier

Wieviel Fitness braucht der Mensch?

24.01.2019 – 0 Kommentare

Wenn wir über Fitness sprechen, so verstehen wir darunter hauptsächlich den psychophysischen Gesamtzustand des Menschen, der es ihm ermöglicht, sich an die Umgebungsbedingungen und deren Änderungen optimal anzupassen. Dies setzt einen leistungsfähigen Gesamtzustand voraus, der erhalten und auch trainiert werden will.

Das vielzitierte „Mens sana in corpore sano“ impliziert einen Zusammenhang zwischen der körperlichen Leistungsfähigkeit und dem psychischen Wohlbefinden bzw. der kognitiven Intelligenz. In unserer heutigen Wissens-Gesellschaft sind wir oftmals mehr kognitiv als körperlich gefordert was dazu führt, dass wir den körperlichen Ausgleich ausserhalb unseres Arbeitsalltags suchen. Der Mensch gerät dabei jedoch zunehmend auch unter das Diktat einer gesellschaftlich akzeptierten Norm, den eigenen Körper zu perfektionieren und zu kasteien. Ein übertriebener Fitnessaspekt ist „modern“, und wer nicht zumindest schon einen Marathon gelaufen ist, gilt in manchen Kreisen beinahe als unfit.

Damit wird der Kompensationseffekt des Fitness-Trainings in Bezug auf den Arbeitsstress konterkariert; der Stress im Büro findet seine Fortsetzung im selbst gewählten täglichen Bewegungsstress. Oftmals tun wir uns damit nichts Gutes, denn ein deutlich mehr an körperlicher Aktivität führt nicht notwendigerweise zu mehr Gesundheit. Diesbezüglich gibt es keine lineare Beziehung, d.h. ein Mehr an zeitlichem Aufwand im Fitness-Training führt ab einem bestimmten Ausmaß dazu, dass wir zu viel an körperlichen Ressourcen für die Erholung vom Training benötigen. Damit sinkt wiederum der positive Effekt von Bewegung und Sport.

Fitness-Training und Energieverbrauch

In den meisten Fällen betreiben wir Fitnesssport um gesund zu bleiben, „fitter“ zu werden und/oder das Körpergewicht unter Kontrolle zu haben. Dabei müssen wir uns aber die Frage stellen, wieviel es an Fitnesstraining und den damit einhergehenden zusätzlich verbrauchten Kalorien braucht, um die oben angeführten Ziele zu erreichen. Das American College of Sports Medicine (ACSM) gibt in seinen Guidelines für ältere Personen die Empfehlung, sich – soweit als möglich –  täglich in Form eines Ausdauertrainings zu bewegen und zweimal in der Woche ein Krafttraining durchzuführen. Der dabei geleistete energetische Aufwand für diese Aktivitäten sollte mindestens 150kcal betragen. 150kcal entsprechen dabei jenem Energieverbrauch, den wir bei etwa 20min Radfahren (mit ca. 20km/h) aufweisen bzw. dem Energiegehalt von 300gr Äpfel. Nicht wirklich viel, wenn man damit z.B. Stoffwechselproblemen und Übergewicht effektiv begegnen will oder muss. Damit wir den Gesamtenergieumsatz des Körpers erhöhen und effektiv etwas für unsere Gesundheit tun, wird ein zusätzlicher Energieverbrauch von etwa 3000 bis 3500kcal/Woche empfohlen. Umgelegt auf das Fitness-Training bedeutet das, täglich etwa 1h mit dem Rad zu fahren oder 45min. joggen zu gehen. Alternativ dazu bietet sich die Kombination aus Ausdauertraining und Krafttraining an; z.B. zwei- bis dreimal in der Woche mit dem Rad ins Fitnessstudio zu fahren oder zu gehen um dort 45min. ein gezieltes Krafttraining zu absolvieren.

Am Wochenende dann eine längere Strecke mit dem Rad fahren oder wandern bzw. in der kalten Jahreszeit langlaufen zu gehen ergänzt das Training und wird effektiv im Hinblick auf die gesundheitlichen Aspekte. Da dieses Ausmaß an beinahe täglicher Bewegung für viele Menschen aber nicht einfach neben allen anderen Verpflichtungen realisierbar ist, braucht es Aktivitäten, die regelhaft in den Alltag integriert werden. Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder zu Fuß einkaufen zu gehen, die Treppen anstelle des Lifts zu verwenden (auch wenn wir dabei außer Atem kommen) sind einfache Beispiele. Wichtig dabei ist, dass wir diese einfachen Tätigkeiten im Alltag mit entsprechender Intensität ausführen.

Sich mehrmals täglich kurzzeitig anzustrengen ist gleich effektiv, wie eine längere Zeit durchgehend mit moderater Intensität tätig zu sein. Je mehr wir unsere Muskeln in Form von Beschleunigungs- und Bremsarbeit dabei einsetzen, desto höher der energetische Verbrauch. Denn am Ende des Tages zählt jede Form der Bewegung und jede Kalorie, die wir zusätzlich in unserem Alltag verbrennen.

 

Zum Kommentieren bitte anmelden

Einloggen

Passwort vergessen?
Neu bei Vituro? Hier kannst du dich als EGK-Versicherter oder als Nicht-Versicherter registrieren.

Karl Sudi

Der gebürtige Grazer Karl Sudi ist promovierter Sportwissenschafter und Professor für Physiologie und Sportphysiologie an der Karl-Franzens Universität Graz.  Als ehemaliger Leistungssportler und aktiver Hobbysportler beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen und dem Einfluss des körperlichen Trainings auf die Leistungsfähigkeit, den Stoffwechsel und das Körpergewicht.

Weitere Beiträge