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Skating away

Karl Sudi

Der gebürtige Grazer Karl Sudi ist promovierter Sportwissenschafter und Professor für Physiologie und Sportphysiologie an der Karl-Franzens Universität Graz.  Als ehemaliger Leistungssportler und aktiver Hobbysportler beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen und dem Einfluss des körperlichen Trainings auf die Leistungsfähigkeit, den Stoffwechsel und das Körpergewicht.

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30.07.2019 – 0 Kommentare

Das heutige Inline Skaten findet seine Wurzeln im 18 Jahrhundert, als ein Belgier auf die Idee kam, Schlittschuhe mit Metallrädchen zu entwickeln. Ständig weiterentwickelt zeigte sich, dass die damalige Beschaffenheit der Strassen nicht wirklich geeignet war, um aus diesen ersten Prototypen ein Sportgerät, so wie wir es heute kennen, entstehen zu lassen. Zwischenzeitlich eroberten nämlich auch die Rollschuhe das Interesse des Marktes und erst in den 1960er und 70er Jahren kamen im Ostblock Trainingsgeräte zum Einsatz, die als Ersatz für Schlittschuhe dienten. Der entscheidende Schritt zum Sportgerät gelang in den 1980er Jahren. Damit war der Weg frei für eine Form der körperlichen Aktivität, die Elemente des Eislaufens und Rollschuhlaufens in sich vereint.

Körperliches Anforderungsprofil

Heute gibt es viele unterschiedliche Ausprägungsformen in dieser Sportart bis hin zum leistungsorientierten Wettkampf. Einige Grundmuster im Bereich der konditionellen Faktoren sind jedoch bei allen Formen des Inline-Skatings mehr oder weniger ausgeprägt. Gerade zu Beginn beim Erlernen steht wohl die Gleichgewichtsfähigkeit an erster Stelle; während die ersten Schritte bzw. Versuche ins Skaten zu kommen noch einige koordinative Probleme verursachen, lassen sich bald die ersten Erfolge beobachten. Dies ist unter anderem auf eine intermuskuläre Koordinationsverbesserung zurückzuführen. Das Zentralnervensystem lernt relativ rasch, die Bewegungsabläufe koordiniert zu steuern und den anfangs übermässigen muskulären Einsatz zu reduzieren. Welches sind die elementaren Bewegungsabläufe? Beim Inline Skating muss der Körperschwerpunkt vom Abdruckbein auf das Gleitbein überwandern. Das Schwingen der Arme in Richtung des Gleitbeins trägt dabei zum Gleichgewicht bei. Für diese Phasen der Bewegung und des Lernen gilt es, möglichst oft die Inline-Skates überzustreifen und immer wieder einfache Bewegungsabläufe durchzuführen. Je besser die Qualität der Bewegungsausführung dabei entwickelt wird, desto effizienter kann dann mit dem Einsatz der Muskulatur die Fortbewegungsgeschwindigkeit verbessert werden. Neben den koordinativen Aspekten wird auch die Muskulatur entsprechend gefordert und gefördert. Vor allem eine ausreichende Stabilisation im Bereich des Rumpfes ist notwendig, damit eine stabile Körperposition gewährleistet ist.  Die Bauch-, Rücken- und Rumpfmuskulatur muss dabei vor allem statische Arbeit verrichten. Für die Fortbewegung sind die vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur, so wie der Gesäßmuskel zuständig. Auch hier überwiegen im Bewegungsablauf eher statische als dynamische Anteile in der Muskelarbeit.  

Inline Skating als Ausgleichssportart

Im Gegensatz zum Joggen werden die Gelenke beim Inline Skating deutlich geringer belastet, was vor allem für übergewichtige Personen einen Vorteil bringt. Besonders gilt hier, dass zuerst das Erlernen der richtigen Bewegungstechnik im Vordergrund zu stehen hat, da es sonst zu muskulären Fehlbelastungen kommen kann. Dies ist im Falle eines Übergewichts der erhöhten Teil-Körperbeschleunigung der Extremitäten geschuldet. Auch wird erst auf der Basis eines koordinierten Bewegungsablaufs die notwendige Dauer und Intensität während der Belastung erreicht, damit das Inline Skating auch effizient im Hinblick auf die Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit wird. Das Inline Skating ist aber auch eine passende Methode, um den alpinen Skilauf im Sommer zu trainieren. So lassen sich beim Inline Skaten relativ hohe Geschwindigkeiten realisieren, was es erforderlich macht, dass wir rasch auf sich ändernde äussere Bedingungen reagieren müssen. Ähnliches passiert auch beim alpinen Schilauf im Winter, wenn wir mit wechselnden Boden- und Schneeverhältnissen konfrontiert werden. Auch für den Langlaufsport gibt es Vorteile; die Bewegung des Skating Schritts ähnelt dem Schlittschuhschritt und dem Langlaufschritt, sodass ein techniknahes Training auch in der warmen Jahreszeit problemlos möglich ist. Ebenso werden Radsportler profitieren, da einerseits eine statische Kräftigung der Rumpfmuskulatur erfolgt und andererseits auch Muskelgruppen beansprucht werden, die sonst im Radsport weniger konsequent eingesetzt werden.

Inline Skating im schulischen Turnunterricht? 

Die körperliche Entwicklung von Kindern verläuft aufgrund vieler Faktoren heute etwas schneller und anders als noch vor 40 oder 50 Jahren. Während früher ein Grossteil der Freizeit im Freien bei Sport und Spiel verbracht wurde und damit sehr elementare motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt und geschult wurden, so finden wir heute zunehmend einen Bewegungsmangel mit den damit einhergehenden körperlichen Defiziten und Problemen. Auch hier kann das Inline Skaten einen Beitrag liefern; die Entwicklung von Kraft, Gleichgewicht und auch Geschicklichkeit kann durch ein entsprechendes mehrwöchiges Training mit Inline Skates sehr gut entwickelt werden. Der Vorteil dabei ist der, dass das Inline Skaten eine positive Resonanz bei Kindern hervorruft und sich viele Elemente des Turnunterrichts ideal in spielerischer Form verpacken lassen. Voraussetzung für ungetrübten Spass am Inline Skaten ist die entsprechende Sturzprophylaxe bzw. das gezielte Sturztraining. Alle Verletzungsmechanismen verdeutlichen die Wichtigkeit dieses Trainings, vor allem im Anfängerbereich. Auch dieses Sturztraining kann im Turnunterricht gezielt eingesetzt werden, um Körperwahrnehmung, Körperkontrolle und Reaktionsfähigkeit zu schulen.

Welches Fazit lässt sich ziehen?

Das Inline Skating hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, der erst durch die Jugendkultur ermöglicht wurde. Es mag vielleicht nicht DIE Sportart sein, mit der wir alle elementaren motorischen Eigenschaften perfekt entwickeln und trainieren können, aber welche Sportart kann das schon von sich behaupten? Ganz sicher ist es jedoch eine Sportart, die für viele andere körperliche Aktivitäten eine sinnvolle Ergänzung darstellt, die Spass macht und mit wenig Aufwand praktiziert werden kann. Und mit der notwendigen Schutzausrüstung auch nicht Risikobehafteter ist, als viele andere Freizeitaktivitäten.