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Es gefällt mir im Lockdown

Ariella Käslin - Alle Beiträge anzeigen

Die ehemalige Kunstturnerin Ariella Käslin wurde 2009 Europameisterin und Vize-Weltmeisterun im Pferdesprung. Nach ihrem abgeschlossenen Bachelorstudium in Sportwissenschaften und Psychologie an der Universität Bern studiert sie aktuell an der Fachhochschule SUPSI in Landquart Physiotherapie.
www.ariella-kaeslin.ch

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18.04.2020 – 0 Kommentare

Bestimmt geht es gerade vielen so wie mir: Ich staune, wie häufig ich mich in den letzten Wochen beim Kochen und Backen erwischt habe. Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht erinnern, dass ich vor dem Corona-Lockdown je selbst einen Kuchen zubereitet hätte. Jetzt tue ich das alle paar Tage. Und es gefällt mir auch noch.

Wissen Sie, wie mein Alltag vorher aussah? So vollgepackt, dass ich an manchen Abenden nicht mehr wusste, was ich zum Frühstück gegessen hatte. Ich arbeitete Vollzeit als Physiotherapeutin, hielt Vorträge, gab Input-Referate, trieb Sport. Ich hetzte von hier nach da, ass im Zug, beim Autofahren, im Tram. Es ging mir gut, aber eigentlich war es zu viel.

So gesehen, kam der Lockdown für mich genau richtig. Wie alle wurde ich zum Runterfahren gezwungen. Doch bald merkte ich, dass mir die Veränderungen nicht widerstrebten, sondern im Gegenteil gefielen. Ich geniesse es, einfach zu Hause zu sein, die Ressourcen meines Daheims kennenzulernen: ein Buch lesen, ein Puzzle zusammensetzen (klingt langweiliger, als es ist!) – oder eben ausgiebig kochen.

Ich hoffe, dass ich ein bisschen etwas von dieser inneren Ruhe über den Lockdown hinaus werde bewahren können. Allerdings habe ich Angst, dass auch ich zu den Leuten gehören werde, die Verpasstes werden kompensieren wollen.
Als ich mich kürzlich fragte, wie ich das verhindern könnte, fand ich lange keine befriedigende Antwort. Dann wurde mir klar, dass es schon viel wert ist, sich dieses Wunsches überhaupt gewahr zu sein. Zu wissen, dass keine Welt zusammenbricht, wenn man eine Mail mal erst in drei Tagen wegschickt – das ist doch schon etwas. Zu wissen, dass man etwas von dieser Langsamkeit, die man jetzt kennengelernt hat, in die neue Normalität hinüberretten möchte – das ist doch ein erster Schritt, damit es einem dann auch wirklich gelingt.

An dieser Zuversicht will ich festhalten.