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Wann bist du erfolgreicher: Wenn du lieb oder hart zu dir selbst bist? (1. Teil)

Ariella Käslin - Alle Beiträge anzeigen

Die ehemalige Kunstturnerin Ariella Käslin wurde 2009 Europameisterin und Vize-Weltmeisterun im Pferdesprung. Nach ihrem abgeschlossenen Bachelorstudium in Sportwissenschaften und Psychologie an der Universität Bern studiert sie aktuell an der Fachhochschule SUPSI in Landquart Physiotherapie.
www.ariella-kaeslin.ch

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09.11.2020 – 0 Kommentare

Kürzlich lernte ich Philipp Röthlin kennen, einen Sportpsychologen in Magglingen, und führte mit ihm ein derart faszinierendes Gespräch, dass ich euch unbedingt davon erzählen möchte.

Philipp arbeitet mit Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern und beschäftigt sich in einem Forschungsprojekt gerade mit einer Frage, die weit über den Sport hinaus von Bedeutung sein könnte: Wann ist man erfolgreicher – wenn man lieb oder wenn man hart zu sich selbst ist?

Bevor ich mit Philipp sprach, glaubte ich, die Antwort zu kennen. Ich dachte, dass ich nie so weit gekommen wäre, wenn ich nicht immer wieder richtig hart mit mir ins Gericht gegangen wäre, mich gequält, gegeisselt, schlechtgemacht hätte. Davon erzählte ich Philipp. Er hörte mir zu – und fragte mich dann, ob ich schon einmal von self-compassion gehört hätte.

Hatte ich nicht.

Self-compassion, oder: Selbstmitgefühl, ist ein etabliertes Konzept in der klinischen Psychologie, es geht darum, wie Menschen mit sich selbst umgehen. Philipp sagte mir: «Man weiss, dass es für die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden gut ist, wenn man mit sich selbst freundlich und mitfühlend umgeht. Nun ist es aber so, dass gerade Sportlerinnen und Sportler eher skeptisch auf diese Erkenntnis reagieren, genau wie du. Sie denken, wenn sie nett zu sich selbst sind, können sie nicht mehr erfolgreich sein. Sie sagen: "Ich brauche das Selbstkritische, um Leistung zu erbringen oder das Training durchzustehen.".»

Ich sagte, dass ich kaum Spitzensportlerinnen und Spitzensportler kenne, die nett zu sich selbst sind. Philipp meinte, das habe ein Stück weit mit dem Sportsystem zu tun: «So, wie mit dir umgegangen wird, gehst du irgendwann auch mit dir selbst um. Aber verstehe mich nicht falsch: Mit Selbstmitgefühl ist nicht gemeint, dass man auch mit der Hälfte des Trainings zufrieden sein soll. Es geht um eine selbstunterstützende Haltung, aber verbunden mit der Idee, das eigene Potenzial auszuschöpfen.»

Jetzt war ich angefixt. Ich wollte mehr wissen. Was ich von Philipp noch erfahren habe: Davon erzähle ich in meinem nächsten Blog-Beitrag.