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Sport als Entwicklungsmöglichkeit

Der 35-jährige Sonderpädagoge Paul Wüst steht für Leidenschaft, Inspiration, Entwicklung, Nachhaltigkeit und Bescheidenheit. 

Sein aktuelles Projekt führt ihn mit dem Velo über 4300 km von Turin bis ans Nordkap und steht für Ausdauer, Strategie, Eigenständigkeit und Humanpower.

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02.05.2019 – 0 Kommentare

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, welches lieber faul ist und möglichst wenig verändern möchte. Wenn ich auf meine sportliche Entwicklung zurückschaue, so gab es immer wieder Punkte, wo ich deshalb an meinen Zielen gescheitert bin. Trotzdem haben mich diese Erfahrungen als Mensch weitergebracht.

Sportliche Leistung ist in meinen Augen immer ein Zusammenspiel zwischen der körperlichen Fitness und der mentalen Stärke. Ich mag mich ganz genau an einen Ruderleistungstest auf dem See bei Sarnen erinnern, als ich als Junior versuchte, mich für das Nationalteam zu qualifizieren. Die Distanz des Tests war länger als die Wettkampfdistanz. Körperlich war ich in super Form, nach 2 km gab es aber diesen einen Moment, wo ich mental nicht mehr bereit war und angefangen habe, meine Kraft zu dosieren. Schlussendlich habe ich den Cut in das Nationalteam knapp verpasst. Zwei Jahre nach meiner aktiven Ruderkarriere habe ich mich auf einen Marathon vorbereitet. Im Kopf hatte ich das Bild von mir als Leistungssportler, welcher top fit war. Mein Ziel war es in drei Stunden zu finishen. Wahrscheinlich habe ich das Training nicht so ernst genommen und mir gedacht, dass es schon klappen wird. Nun gut, der Berlinmarathon war extrem hart. Mein Körper war hinten und vorne nicht vorbereitet auf so eine Belastung und mit einer Zeit über vier Stunden war ich weit weg von meinen eigentlichen Möglichkeiten und Zielen. Meine heutige Marathonbestzeit liegt bei 2:48 und auch da bin ich überzeugt, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Meine grössten sportlichen Erfolge wie zum Beispiel mein Qualifikationsrennen für die Ironman Worldchampionships auf Hawaii, sind mir gelungen, wenn ich die zwei Komponenten optimal verbinden konnte.

Der Sport kann aus meiner Sicht als Spielwiese für die persönliche Entwicklung genützt werden. Er verlangt, dass ich eine Vision habe, die dazu benötigten Fähigkeiten erarbeite und ein Erfolgsmindset entwickle. In meiner täglichen Arbeit sind es sehr ähnliche Faktoren, die mich erfolgreich machen. Ich verdiene mein Geld nicht mit dem Sport und somit kann ich mich in Situationen begeben, welche ich im Beruf nie ausprobieren würde. Mein Marathondebut wäre im Beruf ein Desaster gewesen. Ein grosses Projekt über 4 Monaten so was von falsch einzuschätzen, hätte in vielen Berufen ein fatales Ende. In meinem sportlichen Leben ist es eine Anekdote, über welche ich lachen kann und ganz gut mit dem Motto «hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiter geht’s» beschreiben kann. Der Entwicklungsgedanke ist der eigentliche Motor meiner sportlichen Aktivitäten. Ich liebe es meine Grenzen auszutesten und sie zu verschieben. Ich habe erfahren, dass ich diese Erfahrungen in den Alltag transferieren kann und ich dadurch in allen Bereichen besser werde. Dies gibt mir die tägliche Motivation zu trainieren und die dazu nötige Disziplin, meine Ziele zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass es sehr hilfreich ist, heraus zu finden, was in einem das Feuer entfacht. In meinem Fall wäre für  mich ein Gedanke wie «es wäre noch gut, etwas Sport zu machen» viel zu wenig, um mich von der Couch aufstehen zu lassen.

Suche also ein sportliches Ziel, welches in dir das Feuer entfacht, arbeite daran, die dazu benötigten Fähigkeiten – körperlich genauso wie mental – zu erlangen und es wird dich als Mensch weiterbringen.