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Rückblick Northcape4000 3. Teil: Das Abenteur als Entwicklungsmoment

Der 35-jährige Sonderpädagoge Paul Wüst steht für Leidenschaft, Inspiration, Entwicklung, Nachhaltigkeit und Bescheidenheit. 

Sein aktuelles Projekt führt ihn mit dem Velo über 4300 km von Turin bis ans Nordkap und steht für Ausdauer, Strategie, Eigenständigkeit und Humanpower.

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09.09.2019 – 0 Kommentare

Ein Abenteuer wie das Northcape4000 schafft viele neue Erfahrungen. Nachfolgend möchte ich einige Erkenntnisse für euch hervorstreichen. Grundsätzlich habe ich ein weiteres Mal gelernt, zu geniessen und zu schätzen was man hat. Ich habe in so vielen Richtungen Potential und es ist erstaunlich wie viel man erreichen kann, wenn man einmal konsequent versucht, diesem auf den Grund zu gehen. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass dieses oder jenes nicht möglich ist, es aber in Wirklichkeit sehr wohl möglich wäre. Natürlich oft nicht von heute auf morgen, sondern mit Arbeit verbunden. Eine für mich sehr eindrückliche Erkenntnis hatte ich in der Zeit, als ich zwei Tagen mit Stefano unterwegs war, als ich fast keine Energie mehr hatte. Ich bemerkte den Gedanken in mir, dass ich hoffte, Stefano würde scheitern e, dass er übertrieben schnell fährt und es ihm schlussendlich nicht aufgehen würde. In diesem Moment war ich echt angeekelt von mir. Und ich wurde mir bewusst, dass ich in einem Umfeld leben möchte, wo jeder alles macht, dass der andere reüssieren kann. Auch wenn wir hier in einem sportlichen Wettkampf stehen, möchte ich, dass es dem Konkurrenten genau so aufgeht wie mir selber, natürlich in diesem Rennen mit dem besseren Ende für mich, aber sicher nicht dadurch, dass der andere scheitert. Ich möchte insgesamt jeden in meinem Umfeld unterstützen, dass er seine Stärken in unsere Gesellschaft einbringen kann, nach dem Motto „together we rise and shine“.

Möchte man etwas Grosses erreichen, so muss man das grundsätzlich eigenständig machen. Zusammen mit richtigen Partnern gelingt dies noch besser. Eine Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass mir der andere seine Stärke zur Verfügung stellt, um meinem Ziel noch näher zu kommen und ich natürlich genau so etwas zurückgeben kann. Es darf aber nur eine Hilfestellung sein. Ich muss es selber umsetzen, ansonsten wird es zu einer Abhängigkeit. Dies wiederum schmälert die Chance wirklich zu reüssieren.

Auf dieser Reise quer durch Europa war ich immer wieder damit konfrontiert, dass verschiedene Ressourcen limitiert sind und es eminent wichtig ist, damit sorgsam umzugehen. Angefangen bei der Leistungsfähigkeit meines Körpers, vom Wasser und der Nahrung bis dahin, was wir Menschen auf unserem Planeten zu Verfügung haben. Mir wurde klar, dass wir viel zu oft davon ausgehen, dass alles im Überfluss vorhanden ist. Längerfristig bringt uns das aber in grosse Schwierigkeiten, da nichts einfach unbegrenzt vorhanden ist.
Wenn ich auf meine sportliche Leistung zurück schaue, bin ich einfach sprachlos, was ein – mein – Körper leisten kann. Grösstenteils sind wir uns gar nicht bewusst, was für ein Potential wir eigentlich haben und das nicht nur auf den Sport bezogen, sondern insgesamt. Dies soll ein Aufruf an jeden Einzelnen sein: Ihr könnt viel mehr als ihr euch gerade vorstellen könnte. Macht euch auf den Weg euer eigentliches Potential zu nutzen, es ist ein Geschenk, welches es zu nützen gilt.

Zusammenfassend bin ich natürlich stolz, als Dritter von den 160 gestarteten Athleten am Nordkap, in 13 Tagen, 10 Stunden und 11 Minuten, angekommen zu sein.  Was aber für mich noch viel wertvoller ist: Meine Erkenntnisse. Ich sehe meine sportlichen Aktivitäten als Entwicklungsmöglichkeit meiner Persönlichkeit und in diesem Abenteuer durfte ich ein weiters Mal sehr wertvolle Erfahrungen sammeln, welche mich als Mensch grundlegend prägen werden.